FAKTEN

 

 

·         In Deutschland sind mindestens zwei Millionen Menschen von der bipolaren Krankheit betroffen. Weltweit sind etwa zwei bis fünf Prozent aller Erwachsenen bipolar erkrankt.

·         Es gibt unterschiedliche Verlaufsformen. Die Krankheit hat verschiedene Gesichter.

·         Jeder kann daran erkranken.

·         Bipolare Störungen haben einen gravierenden Einfluss auf das Leben:

jeder vierte Betroffene unternimmt einen Selbstmordversuch. Etwa 15 % versterben durch Suizid. Das Suizidrisiko ist gegenüber der Normalbevölkerung um das 30fach erhöht. Eine Frau beispielsweise, die mit 25 Jahren an einer bipolaren Störung erkrankt, verliert durchschnittlich 12 Jahre ihres gesunden Lebens und 14 Jahre eines normalen Berufslebens. Die Lebenserwartung sinkt um neun Jahre. Scheidungen sind bei bipolar Erkrankten dreimal häufiger als im Bevölkerungsdurchschnitt.

·         Bipolare Störungen gehören zu den zehn häufigsten Erkrankungen, die zu andauernder Behinderung führen (WHO Report 2002).

·         Die bipolare Erkrankung hat sozioökonomische Auswirkungen: Die durch diese Erkrankung verursachten Kosten beliefen sich im Jahr 2002 auf 6,5 Milliarden Euro, wobei 98 % indirekte Krankheitskosten darstellen. Beispielsweise beziehen bipolar erkrankte Patienten deutlich früher als der Bevölkerungsdurchschnitt, im Mittel mit 45 Jahren, Erwerbsunfähigkeitsrente.

·         Menschen mit bipolaren Störungen leiden zusätzlich in erhöhtem Maß an weiteren behandlungsbe- dürftigen psychischen Störungen, insbesondere an Angst- und Suchterkrankungen. In einer Studie konnte gezeigt werden, dass 35 % der Betroffenen mindestens eine weitere schwere psychische Erkrankung aufweisen.

·         In therapeutischen Fachkreisen wir die Krankheit unterschätzt und es fehlt an einem breiten Wissen über die Diagnose und moderne Therapie. Bipolare Störungen werden häufig unterdiagnostiziert. Schätzungsweise wird bei weniger als 50 % der Betroffenen je eine korrekte Diagnose gestellt und eine Behandlung eingeleitet. Nur 30 % der Betroffenen gehen zum Hausarzt, nur 10 % zum Psychi-ater.

·      Die Mehrheit der Ärzte ist über die bipolare Erkrankung offensichtlich nicht informiert. Studienergebnisse aus den USA aus dem Jahr 2001 belegen:

60 % der Ärzte hatten bei der Diagnose psychiatrischer Erkrankungen die Möglichkeit einer bipolaren Stimmungsstörung überhaupt nicht in Erwägung gezogen.

40 % der Ärzte fielen die typischen Symptome überhaupt nicht auf.

37 % der Ärzte klagten über Kommunikationsprobleme mit ihren Patienten.

28 % der Ärzte klagten über ungenügende Angaben ihrer Patienten. Im Schnitt vergehen zehn Jahre zwischen erster Krankheitsepisode, korrekter Diagnose und Beginn einer adäquaten Therapie.

·         Nicht behandelte Patienten erleiden im Verlauf ihres Lebens durchschnittlich acht bis zwölf Episoden einer Depression und ungefähr vier bis acht manische Episoden. Es ist die Tendenz zu beobachten, dass sich die Intervalle zwischen den Episoden mit zunehmendem Lebensalter und steigender Anzahl der Episoden verkürzen. Das Rapid Cycling (schneller Wechsel zwischen Manie und Depression) stellt eine besondere Verlaufsform dar und ist definiert als das Auftreten von mehr als vier Episoden im Jahr und wird bei etwa 20 % der Patienten beobachtet.

·         Die Geschlechtsverteilung bei der bipolaren Erkrankung ist allgemein 1 : 1.

·         Trotz des Einsatzes von Stimmungsstabilisierern treten Rückfallraten von bis zu

40 % innerhalb des ersten Jahres, 60 % innerhalb der ersten zwei Jahre und 73 % innerhalb der ersten fünf Jahre nach einer Episode auf. Das Rückfallrisiko steigt mit jeder erneuten Krankheitsphase an und beträgt nach der dritten Krankheitsepisode bereits 90 %.

·         In der Regel treten depressive Episoden weitaus häufiger auf, nur in fünf % der Fälle sind ausschließlich manische Phasen beobachtbar. Bipolare Störungen beginnen zudem in 60 – 80 % mit einer depressiven Episode. In 98 % der Fälle folgt auf eine Manie eine Depression.

·    Stress ist ein häufiger Auslöser der bipolaren Erkrankung; die Stressempfindlichkeit steigt mit der Episodenanzahl.

·         Vererbung spielt für die Erkrankung eine Rolle. Kinder von einem bipolar Erkrankten weisen ein siebenfach erhöhtes Risiko auf. Ist bereits ein Elternteil an einer bipolaren Störung erkrankt, so liegt die Erkrankungswahrscheinlichkeit der Kinder für eine affektive Störung bei etwa 20 %. Diese Zahl erhöht sich auf 50 %  – 75 %, wenn beide Elternteile an einer bipolaren Störung leiden.

·         Scham und falsches Mitleid prägen noch vielfach den Alltag von bipolar Erkrankten.

·         Betroffene und Angehörige fühlen sich häufig stigmatisiert.

·         In der breiten Öffentlichkeit sind bipolare Störungen noch kaum bekannt.