NEUROLEPTIKA

 

 
  • Unterscheidung zwischen klassischen und atypischen Neuroleptika

  • Entwicklung moderner Neuroleptika (atypische) mit geringeren, insbesondere motorischen, Nebenwirkungen in den 70er-Jahren

  • Klassische Neuroleptika = Mittel zweiter Wahl

Einsatz bei bipolaren Störungen

  • bei psychotischen und manischen Zuständen

  • bei manisch-depressiven Mischzuständen

  • zur Rückfallprophylaxe

Wirkung

  • insbesondere Hemmung der Übertragung des Botenstoffs Dopamin, atypische Neuroleptika wirken spezifischer und zusätzlich serotonerge Botenstoffe

  • Reduktion psychotischer Symptome (Wahn, Halluzinationen, Störungen des Denkens und der Handlungssteuerung)

  • Beruhigend, wirksam gegen aggressive Unruhe- und Erregungszustände

Mögliche Nebenwirkungen

  • meist vorübergehend: Mundtrockenheit, Verstopfung, verschwommenes Sehen

  • Müdigkeit, Benommenheit

  • Beeinträchtigungen der Bewegungsabläufe (insbesondere bei klassischen Neuroleptika

Besonderheiten atypischer Neuroleptika

  • über die Beeinflussung des Botenstoffs Serotonin können sie stimmungsstabilisierend wirken

  • antimanische Wirkung von Risperidon (Risperdal), Olanzapin (Zyprexa) und Quetiapin (Seroquel)

  • in der Regel keine extrapyramidalen (Beeinträchtigung der Bewegungsabläufe) Nebenwirkungen

  • insgesamt weniger Nebenwirkungen

Zusätzlich mögliche Nebenwirkungen

Leponex: lebensbedrohliche Blutbildstörungen möglich –regelmäßige Kontrollen nötig

Zyprexa: Müdigkeit - Gesteigerter Appetit und Gewichtszunahme

Risperdal: Schlafstörungen - Kopfschmerzen - Unruhe und Angstzustände

Beispiele für Handelsnamen atypischer Neuroleptika:

Leponex, Elcrit, Zyprexa, Risperdal, Seroquel, Solian, Zeldox, Nipolept

 

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Beispiele für Handelnamen klassischer Neuroleptika:

Dogmatil, Truxal, Taxilan, Neurocil, Atosil, Melleril, Lyogen, Dapotum, Ciatyl, Fluanxol, Glianimon, Haldol, Dipiperon, Imap

 

Wirkmechanismus aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Als gesichert gilt heute, dass der Wirkungsmechanismus von Antipsychotika auf einem Eingreifen in die synaptische Erregungsübertragung innerhalb des Gehirns beruht, wobei alle derzeitigen Antipsychotika die Übertragung des Neurotransmitters Dopamin hemmen. Zusätzlich können Antipsychotika mit Rezeptoren für Serotonin, Histamin und Noradrenalin interagieren.

Antipsychotika wirken symptomatisch, das heißt, sie können psychische Krankheiten nicht im eigentlichen Sinne heilen, aber Symptome wie Halluzinationen oder Wahn können damit zumeist beseitigt werden. Dies ermöglicht dem Patienten (meist Schizophrenen) eine Distanzierung von der Erkrankung - er kann also seinen Zustand selbst als krankhaft erkennen.
Antipsychotika beeinflussen NICHT das Bewußtsein und die intellektuellen Fähigkeiten. Insbesondere Atyptische Antipsychotikaführen jedoch häufig zu einer besseren Konzentrationsfähigkeit und Sprachfähigkeiten.
Teilweise haben Antipsychotika neben der antipsychotischen auch eine sedierende (beruhigende) Wirkung. Zumindest für die herkömmlichen Antipsychotika gilt dabei: je geringer die antipsychotische Potenz, desto stärker ist die Sedierung.

Nebenwirkungen

Die hier genannten Nebenwirkungen treten nicht alle zwangsläufig und auch nicht in gleicher Weise bei allen Antipsychotika auf.

Bei den Nebenwirkungen sind solche vegetativer Art (hormonelle und sexuelle Störungen, Muskel- und Bewegungsstörungen, Schwangerschaftsschäden, Körpertemperaturstörungen etc.) und solche psychischer Art (sedierende Wirkungen, Depressionen, Antriebslosigkeit, emotionale Verarmung, Verwirrtheit, andere Wirkungen auf das Zentralnervensystem etc.) zu unterscheiden. Betroffene selbst beschreiben oft ein Gefühl, „eingemauert“ zu sein.

Eine Folge der hemmenden Wirkung der Antipsychotika auf den Überträgerstoff Dopamin ist die Störung der Steuerung von körperlichen Bewegungsabläufen, da Dopamin daran wesentlich beteiligt ist. Dabei wird unterschieden zwischen:

  • Frühdyskinesien: Unwillkürliche Bewegungen bis hin zu krampfartigen Anspannungen von Muskeln und Muskelgruppen. Als quälend werden zum Beispiel Zungenkrämpfe erlebt. Frühdyskinesien sind üblicherweise nach Absetzen eines Antipsychotikums bzw. Umstellung auf ein nebenwirkungsärmeres Präparat reversibel. Auch Biperiden (Handelsname zum Beispiel Akineton) kann die Frühdyskinesien aufheben.

  • Spätdyskinesien: Diese treten nach längerer antipsychotischer Behandlung auf und scheinen eine Abhängigkeit von der insgesamt aufgenommenen Menge an Antipsychotika aufzuweisen. Spätdyskinesien werden zwar von den Betroffenen teilweise als weniger störend erlebt, fallen aber der Umwelt auf und sind dadurch oft bei der sozialen Reintegration störend. Spätdyskinesien sind häufig nicht reversibel und sprechen auch schlecht auf Biperiden an.

Die Dyskinesien treten bei unterschiedlichen Antipsychotika unterschiedlich häufig auf. Grundsätzlich ist bei herkömmlichen, hochpotenten (stark antipsychotisch wirkenden) Antipsychotika das Auftreten von Dyskinesien wahrscheinlicher. Neuere, so genannte atypische Antipsychotika, versuchen durch eine spezifische Rezeptorbindung die Gefahr einer Dyskinesie zu mindern. Dies gelingt teilweise und vor allem bei sparsamer Dosierung. Keine Dyskinesien verursacht Clozapin (Handelsnamen zum Beispiel Leponex, Elcrit) - dies beruht offenbar auf seiner anticholinergen (gegen den Überträgerstoff Acetylcholin gerichteten) Eigenschaft. Clozapin kann allerdings gefährliche Blutbildstörungen verursachen, weshalb regelmäßige Kontrollen (Leukozyten und Thrombozyten) erforderlich sind. Ein Hersteller hat in einem Schreiben an alle zugelassen Nervenärzte 2001 bestätigt, dass einer von 12'000 Patienten durch dieses Medikament stirbt.

Psychische Nebenwirkungen:

  • Bewegungsunruhe

  • allgemeine Sedierung (Ruhigstellung, Müdigkeit, Verlangsamung der Reaktionen)

  • Psychische Erstarrung

  • Gewöhnung an die "Abschottung" gegenüber Problemen (ähnlich wie bei Drogen)

  • psychische Abhängigkeitseffekte (treten möglicherweise beim Umstellen/Absetzen auf)

Vegetative Nebenwirkungen:

  • Muskel- und Bewegungsstörungen, Dystonien, Dyskinesien (s. o.), Parkinsonoid, Bewegungsstereotypen

  • Leber- oder Nierenschäden

  • Herzschäden

  • Einschränkungen von Sexualität und Libido

  • Funktionsstörung der Bauchspeicheldrüse

  • Fettleibigkeit und andere Hormonstörungen

  • Schädigungen bei bestehender Schwangerschaft

     

    • verringertes Wachstum (verminderte Häufigkeit der Mitose =Zellteilung)

    • embryonale Schäden (teratogene Missbildungen, zum Beispiel Ektromelie = fehlende oder verstümmelte Gliedmaßen) und Entwicklungsstörungen bei Mensch und Tier

    • Antipsychotika werden mit der Muttermilch weitergegeben

     

  • bei Frauen: Störungen der Regelblutung

  • bei Männern: Erektionsstörungen

  • Störungen der Regulation der Körpertemperatur

  • einige der modernen, atypischen Antipsychotika, wie zum Beispiel Risperidon (Handelsname Risperdal) und Olanzapin (Handelsname Zyprexa) scheinen neueren Untersuchungen zufolge bei alten Patienten die Schlaganfallgefahr zu erhöhen.

Seltene, aber unter Umständen lebensgefährliche Nebenwirkungen sind:

  • das Maligne Neuroleptische Syndrom mit Fieber, Muskelsteifigkeit und Bewegungsstarre, Bewusstseinsstörungen, starkem Schwitzen und beschleunigter Atmung.

  • Störungen der Bildung weißer Blutkörperchen (Agranulozytose).

Bestimmte Antipsychotika dürfen unter anderem nicht eingenommen werden bei einigen Blutbildveränderungen (z.B. Clozapin), Hirnerkrankungen, akuten Vergiftungen, bestimmten Herzerkrankungen sowie bei schweren Leber- und Nierenschäden

Die Einnahme von Antipsychotika zusammen mit Alkohol oder Beruhigungsmitteln kann zu einer gefährlichen Wirkungsverstärkung führen. Tee, Kaffee und andere koffeinhaltige Getränke können die Wirkung von Antipsychotika verringern.

Durch Antipsychotika kann es zu einer Beeinträchtigung des Reaktionsvermögens kommen. Die Fahrtüchtigkeit kann eingeschränkt sein, und es kann zu einer Gefährdung am Arbeitsplatz (zum Beispiel beim Bedienen von Maschinen) kommen.

Auf keinen Fall sollten Antipsychotika leichtfertig oder bei Menschen mit AD(H)S-Symptomen gegeben werden.

 

Kritische Aspekte der Antipsychotika-Anwendung

Wie in vielen anderen medizinischen Bereichen auch, gibt es gegenüber einer Antipsychotikaverschreibung sehr kritische Stimmen, die in der Anti-Psychiatrie-Bewegung kulminieren. Einige Aspekte sollen hier kurz dargestellt werden.

  • Einseitige Information: Informationen über Antipsychotika, vor allem zu deren Nebenwirkungen, werden von Betroffenen häufig als lückenhaft und unverständlich empfunden. Diese Verunsicherung vermindert die Akzeptanz der Einnahme.

  • Heimliches Absetzen: Einige Betroffene neigen dazu, heimlich die Medikamente abzusetzen. Gründe dafür sind die Leugnung der psychotischen Störung, die Ablehnung der Behandlung, die momentane Symptomfreiheit (und daraus resultierende fehlende Einsicht) oder die subjektiv als zu schwer empfundenen Nebenwirkungen.

  • Depot-Antipsychotika werden wöchentlich, 14-täglich oder 4-wöchentlich intramuskulär gespritzt. Damit wird die ständige Überwachung der regelmäßigen Einnahme erspart. Diese Verabreichungsform verringert für die Patienten die Nebenwirkungsraten.

  • Vernachlässigte Grundlagenforschung: Das Wissen zu Antipsychotika ist noch sehr fragmentiert und die Forschung wird nahezu ausschließlich durch Hersteller finanziert. Mangels besserer Behandlungsformen und aufgrund des hohen Handlungsdrucks bei Behandelnden und Angehörigen fehlt in der Praxis gelegentlich der Wille, kritische Fragen zu stellen. Eine unabhängige Grundlagenforschung wäre wünschenswert.

  • Frage der möglichen Abhängigkeit: Nach Meinung der meisten Mediziner führen Antipsychotika zu keiner Gewöhnung und Abhängigkeit. Noch bis 1999 galten in der Schweiz Probleme beim Absetzen als klares Zeichen einer vorhandenen schizophrenen Grunderkrankung. Dem widersprechen Berichte von unzufriedenen Patienten, die vor allem Probleme beim Reduzieren und Absetzen der neuen atypischen Antipsychotika beklagen. Bekannt ist, dass bei einer Umstellung auf ein anderes Antipsychotikum sich der Gesundheitszustand derart verschlechtern kann, dass selbst bei einer Rückkehr auf das ursprüngliche Präparat die Störung nicht mehr oder nur mit einer anhaltend erhöhten Dosis kontrollierbar ist. Weshalb das so ist, ist ungeklärt.

  • Irreversible Effekte: Werden Antipsychotika bei Menschen mit AD(H)S verabreicht, verschlimmern sich AD(H)S-Symptome massiv und proportional zur Dosis. Möglicherweise ist dieser Effekt irreversibel.

  • Probleme beim Absetzen und Reduzieren von Antipsychotika sind bislang wenig erforscht, allerdings gibt es viele Berichte von Betroffenen. Auf keinen Fall sollten Antipsychotika ohne ärztlichen Rat abgesetzt werden. Das Risiko beim Absetzen kann durch ganz langsame Reduktion unter engmaschigem Kontakt zum behandelnden Arzt vermindert werden.

Missbrauch von Antipsychotika

Antipsychotika hinterlassen bei Gesunden meist keine sichtbaren Spuren, Menschen werden aber passiv, müde oder depressiv. Beispielsweise wurden in der UdSSR Regimekritiker mit Schizophreniediagnose und Antipsychotika ruhiggestellt, wenn die Sachlage nicht für einen Prozess reichte.