BENZODIAZEPINE

 

 

Benzodiazepine=Tranquilizer=Beruhigungsmittel

Einsatz bei bipolaren Störungen

  • bei Aggressivität und Erregung in der Manie

  • bei Angstzuständen und Schlafstörungen

  • bei depressiven Hemmzuständen und als Überbrückung bis zum Wirkeintritt von Antidepressiva

Wirkung

  • Verstärkung der Wirkung des Botenstoffs GABA und dadurch schwerere Aktivierbarkeit der Nervenzellen

  • wirken beruhigend und entspannend

  • sind schlaffördernd bzw. –anstoßend

  • reduzieren Angst und Anspannung

Mögliche Nebenwirkungen

Müdigkeit, Schläfrigkeit, Apathie

  • Konzentrationsstörungen

  • selten Kopfschmerzen

Beachte!

  • Gefahr der Abhängigkeit und Wirkminderung bei Langzeitgebrauch

  • beim Absetzen Entzugssymptome möglich

  • eine Einnahme länger als 8 – 12 Wochen sollte vermieden werden

Beispiele für Handelsnamen

Kurz (< 6 Std.) und mittelllang (6 – 24Std.) wirkende Benzodiazepine

Dormicum, Halcion, Tafil, Xanax, Lexotanil, Lendormin, Trecalmo, Rohypnol, Sonin, Tavor, Lorazepam, Ergocalm, Loretam, Lormetazepam, Noctamid, Adumbran, Praxiten, Norkotral, Tema, Planum, Pronervon, Remestan, temazep

Langwirkende Benzodiazepine (> 24 Std.)

Librium, Multum, Radepur, Frisium, Rivotril, Valium, Faustan, Tranxilium, Dalmadorm, Medazepam AWD, Rudotel, Mogadan, Tranxilium, Demetrin

 

Wirkungsmechanismus aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Benzodiazepine vermitteln ihre Wirkung dadurch, dass sie agonistisch auf die Benzodiazepin-Rezeptoren wirken. Dies führt zu einer Sensitivierung des in direkter Nähe liegenden GABA-Rezeptors, welcher zusammen mit dem Chlorid-Kanal den GABA-Rezeptorkomplex bildet. Dadurch ist die Wirksamkeit des inhibitorisch wirkenden Neurotransmitters GABA (Gamma-Aminobuttersäure) verstärkt, was zur Folge hat, dass die Permeabilität des Chlorid-Kanals erhöht wird und somit auch der Einstrom der Chlorid-Ionen in die Nervenzelle, was wiederum zu einer geringeren Erregbarkeit der Neuronenmembran führt (Hyperpolarisation). Bisher ist kein endogener (körpereigener) Ligand der Benzodiazepin-Rezeptoren bekannt

Benzodiazepine unterscheiden sich in ihrer Wirkung von Barbituraten, was sie zu in Bezug auf den Missbrauch zu Suizid-Versuchen ungefährlicher macht. Dafür sind folgende Mechanismen verantwortlich

  • Benzodiazepine wirken nur zusammen mit GABA und sind allein nicht in der Lage, den GABA-A-Rezeptor zu öffnen. Streng genommen müsste man sie daher eher als Synergisten bezeichnen anstatt als Agonisten.

  • Benzodiazepine wirken an Synapsen, die weniger GABA enthalten, stärker als an solchen, die viel GABA enthalten.

  • Schwache Transmitter-Antworten werden mehr verstärkt als starke Transmitter-Antworten. Man spricht von einer aktivitätsabhängigen Wirkung (engl.: use dependence). Dieser Effekt könnte auch verantwortlich sein für eine relativ spezifische Wirkung der Benzodiazepine (sedativ, anxiolytisch, muskelrelaxierend, antikonvulsiv, s. u.), trotz der ubiquitären Verteilung der GABA-Rezeptoren im Gehirn und Rückenmark.

Auch hohe Dosen von Benzodiazepinen verstärken die Maximalwirkung (die theoretisch auch durch GABA allein erreicht werden könnte) nicht. Sie setzen lediglich die GABA-Dosis herab, die zu einer Maximalwirkung führt. Pharmakologisch ausgedrückt führen sie zu einer Linksverschiebung der Dosis-Wirkungs-Kurve.

 

Wirkungen, Nebenwirkungen

Benzopdiazepine wirken im Allgemeinen

  • sedativ (beruhigend und schlaffördernd)

  • anxiolytisch (angstlösend)

  • muskelrelaxierend (muskelentspannend)

  • antikonvulsiv (krampflösend)

  • leicht stimmungsaufhellend

Sie finden in der Psychiatrie Anwendung bei der Behandlung von Angst- und Unruhezuständen, als Notmedikation bei epileptischen Krampfanfällen und als Schlafmittel. Ferner werden sie als Prämedikation vor Operationen verordnet, damit der Patient entspannt und angstfrei schlafen kann. Bei regelmäßiger Einnahme besteht die Gefahr der Gewöhnung und der Abhängigkeit.

Benzodiazepinpräparate sind atemdepressiv, d. h. sie dämpfen das Atemzentrum. Dies kann bis zum Atemstillstand führen. Sie beeinträchtigen die Reaktionszeit. Nach der Einnahme ist man fahruntüchtig.

Benzodiazepine gelten als die Medikamente mit der höchsten Missbrauchsrate in Deutschland

Rechtliches

Alle Vertreter aus der Wirkstoffgruppe der Benzodiazepine unterliegen in der Bundesrepublik Deutschland der Gesetzgebung des Betäubungsmittelgesetzes (BtmG). Hier sind sie in die Anlage III (verkehrsfähige und verschreibungsfähige Betäubungsmittel) aufgenommen worden. Der Gesetzgeber hat jedoch Höchstmengen pro abgeteilter Form (Tablette, Suppositorium, Ampulle, Volumeneinheit bei Tropfen) zugelassen, bis zu denen die Betäubungsmittel-Verschreibungs-Verordnung nicht gilt („ausgenommene Zubereitungen“). Diese Höchstmengen sind für jeden einzelnen Wirkstoff individuell festgelegt (z. B. 10 mg für Diazepam) und werden bei Bedarf angepasst.

Ein Beispiel hierfür ist die Herabsetzung der Höchstmenge von Flunitrazepam (Rohypnol® Roche) von 2 mg pro abgeteilter Form auf nur noch 1mg. Das hatte zur Folge, dass die Tabletten zu 1 mg weiterhin lediglich verschreibungspflichtig sind, die Ampullen zu 2 mg jedoch den Einschränkungen des BtmG unterworfen sind. Im Falle der Substitutionstherapie von Drogenabhängigen sind Benzodiazepine (meist Diazepam oder Flunitrazepam) jedoch generell auf einem Betäubungsmittelrezept zu verordnen. Aufgrund der Höchstmengenfestsetzung in Anlage III BtmG sind die meisten Benzodiazepine enthaltenden Medikamente in der Bundesrepublik Deutschland verschreibungspflichtig und damit auch apothekenpflichtig. Ausnahmen sind z. B. die bereits erwähnte Zubereitung von Flunitrazepam (2 mg/Ampulle) und eine in der Intensivmedizin angewendete Zubereitung von Midazolam, die 50 mg pro Ampulle enthält (Dormicum® Roche 50/10).

Die Regelung, die der Gesetzgeber hier getroffen hat, ist nicht leicht zu verstehen. Das Suchtpotential eines Wirkstoffes ändert sich nicht mit der Stärke der Einzeldosis, es sieht danach aus, als hätte die Pharma-Lobby verhindert, einen wichtigen Markt zu verlieren. Es stellt für den Benutzer keine Schwierigkeit dar, von den Btm-freien, kleineren Tabletten mehrere zu nehmen, um damit eine Dosis zu erlangen, die ausreicht, den Suchtdruck zu lösen. Die Verschreibung der Benzodiazepine auf einem Privatrezept ist eine gängige Praxis, der Arzt belastet sein Budget nicht, die Krankenkasse hat keine Möglichkeit der Kontrolle, und der Patient kommt auf jeden Fall wieder zum Arzt, um „sein Medikament“ zu bekommen. Wie das ethisch einzuordnen ist, sei dahingestellt.