| ERSTE HILFE FÜR DIE SEELE |
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Quelle:
Erste Hilfe für die Seele von Frank Naumann
Seelische
Notfälle können so dramatische Situationen wie ein Selbstmordversuch
oder extreme Angstzustände nach einem Überfall sein. Häufiger
sind handelt es sich aber weniger spektakuläre Schwierigkeiten.
Plötzliche Trennungen und Verluste , hinzu kommen Ängste,
Konflikte und scheinbar ausweglose Lebenslagen.
Das wichtigste Instrument des Helfers ist
das verständnisvolle Gespräch, wobei es nicht so sehr darauf ankommt,
kluge Ratschläge zu erteilen, sondern geduldig zuhören zu können, sich
in die Situation des anderen einzufühlen, Ermutigung und Mitgefühl zu
vermitteln. Ob naher Angehörige, guter Freund, entfernter Bekannter oder
zufällig vorbeigehender Passant - jeder von uns kann von einem Moment zum
anderen um Unterstützung und Rat gebeten werden. Dann ist es gut zu
wissen, wie man sich optimal verhält. Ist es Ihnen nicht auch schon
passiert, dass ein Freund zu Ihnen kam, um sich sein Leid von der Seele zu
reden, und Sie Mühe hatten, die richtigen Worte zu finden? Oder sind Sie
selbst einmal nach erlittener Demütigung an Ihrem Arbeitsplatz oder durch
einen Partner zu guten Freunden gegangen, um Ihr Herz auszuschütten, und
mussten Sie enttäuscht feststellen, dass Sie nur auf wenig Verständnis
stießen? Was Sie als schlimm und dramatisch erlebten, darüber gingen
Ihre Freunde mit einem aufmunternden Schulterklopfen und einem
nichtssagenden "Wird- schon werden" hinweg. Aber welcher
Auftrieb für unser Seelenleben, wenn wir Verständnis fanden, oder wenn
es uns selbst einmal gelang, einer Freundin oder einem Freund, die nicht
aus noch ein wussten, neuen Lebensmut zu geben!
Auch
ein ausgebildeter Psychologe kann seinen Patienten nur unterstützen.
Die Kraft zur Heilung muss er in sich selbst finden. Darin
unterscheiden sich psychische Probleme in keiner Weise von
einer körperlichen Verletzung. Selbst Medikamente und Diätvorschriften
müssen wirkungslos bleiben, wenn der Körper über keine inneren
Selbstheilungskräfte verfügt. Sie können als Helfer den
Betroffenen motivieren, sich auf seine Stärken zu besinnen
und die Krise abzuwehren. In leichten Fällen genügt es oft
schon, wenn Sie aufmerksam seinen Worten folgen und dem
anderen zeigen, dass Sie seine Probleme für wichtig halten.
Nicht wenige Patienten, die die Wartezimmer unserer Allgemeinärzte
füllen, darunter viele ältere Leute, fühlen sich bereits
viel besser, nachdem der Doktor sich geduldig die Beschreibung
ihrer Leiden angehört hat. Aber in der Ersten Hilfe für die Seele haben Sie noch ein zusätzliches Plus, das Ihnen als Helfer bei körperlichen Verletzungen nicht zur Verfügung steht. Als "Laientherapeut" können Sie in den meisten Fällen ebenso erfolgreich sein wie ein ausgebildeter Spezialist. Untersuchungen zur Wirkungsweise von Psychotherapien haben nämlich ergeben, dass der wichtigste Faktor, der über den Erfolg entscheidet, die Qualität der Beziehung zwischen Therapeut und Patient ist. Und die ist wiederum abhängig von individuellen Faktoren wie Interesse, Verständnis, Respekt, Wertschätzung, Ermutigung und Verzeihen von Fehlern. Dort sind Sie als Laie vor allem dann im Vorteil, wenn Sie einem guten Freund helfend unter die Arme greifen können. Denn Sie kennen einander, Ihr Freund weiß, dass Sie an seinem Wohlergehen ein persönliches Interesse haben - ein Gefühl, dass in einer anonymen Beziehung zu einem Fachtherapeuten erst mühsam erarbeitet werden muss.
1. Geben Sie niemals auf. Lassen sie sich auch durch Rückschläge nicht entmutigen. Schon Kinder stehen, wenn sie hinfallen, von selber wieder auf. Bewahren sie sich diese Haltung ein Leben lang. Sie sind nicht allein.
2. Sie sind nicht allein. In Deutschland leben ca. 8 Millionen depressiv Erkrankte.
3. Suchen Sie sich den richtigen Facharzt oder oder Psychologen/ Psychotherapeuten zur gemeinsamen Behandlung ihrer Erkrankung.
4. Nehmen Sie ihre Medikamente immer in Absprache mit Ihrem Facharzt ein und setzen sie diese besonders dann nicht ab, wenn sie sich besser fühlen. Ein Rückfall in eine Episode ist praktisch vorprogrammiert, wenn sie die Medikamente nicht wie verordnet einnehmen.
5. Suchen sie sich die richtige Therapieart, die für sie persönlich am besten geeignet ist. Den Weg dazu müssen sie selber finden. Diese Website möchte ihnen ein kleiner Wegweiser sein.
6. Geben Sie die Hoffnung niemals auf. Ihre Erkrankung ist schwer und wird sie in manchen Fällen ein Leben lang begleiten. Es gibt jedoch eine Vielzahl von Medikamenten (Stimmungsstabilisierer, Antidepressiva), die ihnen helfen, depressive und manische Episoden zu verhindern oder zu verzögern, und ihnen ein erträgliches Leben in der Familie, am Arbeitsplatz und die Teilnahme in der Gesellschaft ermöglichen.
7. Die Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe ist ein weiterer Baustein auf dem Weg zur Gesundung. Wir haben die krankhaften Episoden erlebt und können Erfahrungen austauschen, Hinweise geben und uns gegenseitig stärken und ermutigen. Sie finden in einer Selbsthilfegruppe einen vertraulichen Raum der gegenseitigen Annahme (Wir wissen aus eigener Erfahrung, worüber sie sprechen), sagen ihnen, dass Stimmungsstörungen nicht bestimmen, wer sie sind, und helfen ihnen, ihre Kräfte und ihren Humor wieder zu entdecken und ihr Selbstvertrauen zu stärken.
8. Lernen Sie und ihre Angehörigen soviel wie möglich über die Stimmungsstörungen, Frühwarnzeichen und Krisenhilfe, um Rückfällen möglichst frühzeitig vorzubeugen. Je früher sie zum Arzt oder freiwillig ins Krankenhaus geben, umso eher lassen sich schwere depressive oder hochmanische Episoden verhindern, desto früher sind sie wieder in ihrer gewohnten Umgebung."
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