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Was
ist eine bipolare Störung?
Bipolar
affektive (auf das Gemüt, die Stimmung bezogene) Störung
= manisch-depressive Erkrankung
Bipolar
affektiv bedeutet, dass die Gefühlslage zwischen
den Extrempolen euphorischer Hochstimmung (= Manie) und
schwermütig gedrückter Stimmung (= Depression)
schwankt.
Weitere
Symptome betreffen vor allem
| Veränderungen |
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des Antriebs und der Aktivität |
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des Schlafs |
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des Selbstwertgefühls |
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des Denkens |
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des Wesens |
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| Bipolar
I: |
Bei
einer Bipolar I-Erkrankung kommen neben
bipolaren, schweren Depressionen auch schwere
Manien vor. |
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Bipolar
II: |
Bei
einer Bipolar II-Erkrankung treten im Verlauf
depressive Episoden unterschiedlicher Schwere
auf, allerdings nur (nicht so schwere)
Hypomanien, niemals vollständig ausgeprägte
schwere Manien. |
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Zyklothymia: |
Der
Betroffene hat ein aufgeschlossenes, geselliges
Temperament, verbunden mit einer Neigung zu
abwechselnd niedergeschlagener und freudig
erregter Stimmung, aber nicht so intensiv wie
bei einer Bipolar I- oder Bipolar II-Störung. |
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Rapid
Cycling: |
rascher
Wechsel von manischen, hypomanischen,
depressiven oder gemischten Stimmungsstörungen. |
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Mischzustand: |
zeitgleiches
Augtreten von manischen und depressiven
Symptomen; Wechsel zwischen Manie und Depression
fast täglich über einen mindestens einwöchigen
Zeitraum. |
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Weitere
Informationen aus
Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Als Bipolare Störung
oder "Bipolare affektive Störung" wird eine
affektive Störung bezeichnet, bei der wiederholt
depressive Phasen (mit übernormal gedrückter Stimmung
und vermindertem Antrieb) und manische Phasen (mit überdrehter
gehobener oder gereizter Stimmung und vermehrtem
Antrieb, oder abgeschwächt als so genannte hypomanische
Phasen) auftreten. Dazwischen tritt in der Regel eine
Besserung ein. Bei längerem Verlauf mit mehreren
Episoden können jedoch Residual-Symptome zurück
bleiben. Die Bipolare Störung ist also eine sehr ernste
"Stimmungs- und Antriebskrankheit". Sowohl für
manische als auch für hypomanische und depressive
Episoden gibt es Kriterien-Kataloge, bei denen einige
Symptome erfüllt sein müssen und auch über eine
definierte Zeit lang anhalten müssen, um eine Diagnose
zu treffen.
Eine solche Auflistung von Symptomen findet
sich beispielsweise in der "International Statistical Classification of Diseases and Related
Health Problems" (ICD), einer von der
Weltgesundheitsorganisation (WHO) herausgegebenen
internationalen Klassifikation der Krankheiten und
verwandten Gesundheitsproblemen. Die aktuelle Ausgabe
der ICD wird als ICD-10 bezeichnet. Ein nationales
(US-amerikanisches) Klassifikations-System findet sich
im "Diagnostic and Statistical Manual of Mental
Disorders" (Diagnostisches und Statistisches
Handbuch Psychischer Störungen, abgekürzt als DSM IV).
Seit 1996 existiert eine deutsche Publikation des DSM 4
(DSM-IV). Typische Symtome finden sich aber auch in den
Wikipedia-Artikeln über Depression und Manie.
Früher wurde für diese
Störung auch der Begriff "manisch-depressive
Erkrankung" oder gar "manisch-depressives
Irresein" (Emil Kraepelin) verwendet,
umgangssprachlich wird sie mitunter als "manische
Depression" bezeichnet. Auch die Bezeichnungen
"manisch-depressive Erkrankung(en)" oder
"manisch-depressive Krankheit" sind noch heute
gebräuchlich.
Ein unter Psychiatern und
Behörden übliches, aber nicht immer ganz korrekt
benutztes Synonym für die Bipolare Störung ist
bipolare Psychose oder affektive Psychose. Der Begriff
"Psychose" wird in der Fachwelt
unterschiedlich verwendet: Einige subsumieren nur
"Wahn" darunter, andere gebrauchen ihn für
gravierende psychische Störungen, zu denen die Bipolare
Störung - trotz des vielleicht "harmlos"
erscheinenden Wortes "Störung" sicher gehört.
Forschungsgeschichte und
Bezeichnungen
Die bipolare Störung -
eine Krankheit mit drastischen Auswirkungen - ist schon
seit langem bekannt. Erste Schriftzeugnisse aus der
Antike belegen bereits Kenntnis der beiden Zustände
(Hippokrates) und eine Erkenntnis der Zusammengehörigkeit
von Depression (Aretaeus von Kappadokien). Hippokrates
von Kos beschrieb bereits im 5. Jahrhundert vor Christi
Geburt die Melancholie (heute "Depression").
Er nahm an, dass sie durch 'schwarze Galle' entsteht,
die von der organisch erkrankten Milz ausgeschieden
werde, den gesamten Körper überflute, ins Gehirn
eindringe und Schwermut verursache. Hippokrates
verwendete auch bereits den Begriff "Mania
(Manie)", um einen Zustand der Ekstase und Raserei
zu beschreiben. Dieser griechische Begriff hielt sich
seitdem in der Wissenschaft. Statt
"Melancholie" verwendet man heute den
Facjbegriff "Depression".
Der griechische Arzt Aretaeus von Kappadokien vermutete ähnliche körperliche
Ursachen, erkannte aber bereits im 1. Jahrhundert nach
Christus eine Zusammengehörigkeit der beiden extremen
Zustände, die als Gegenpole so weit auseinander liegen
und beschrieb somit als erster die Bipolare Störung:
"Meiner Ansicht nach ist die Melancholie ohne
Zweifel Anfang oder sogar Teil der Krankheit, die Manie
genannt wird ... Die Entwicklung einer Manie ist
vielmehr eine Zunahme der Krankheit als ein Wechsel in
eine andere Krankheit." Während des Mittelalters
geriet dieses rationale Konzept in Vergessenheit, ebenso
die Ursachensuche auf körperlich bedingte Faktoren. Dämonen
und Hexen galten nun als Ursache der Erkrankung, und
nicht wenige der Betroffenen und derer, die der Hexerei
bezichtigt waren, fielen diesem "Irrsinn" der
"normalen" Bevölkerung und Instanzen zum
Opfer.
Das wesentlich "modernere" und aufgeklärtere
Konzept des Aretaeus von Kappadokien griffen erst französische
Forscher wieder auf. Jean-Pierre Falret beschrieb im
Jahr 1851 "la folie circulaire" (= zirkuläres
Irresein) als einen Wechsel von Depressionen, Manien und
einem gesunden Intervall, Jules Baillarger drei Jahre später
sein Konzept der "folie à duoble forme" als
unterschiedliche Erscheinungsformen der selben
Krankheit, wobei nicht unbedingt ein freies Intervall
zwischen diesen beiden Extremzuständen liegen muss. Der
deutsche Psychiater Emil Kraepelin nannte 1899 diese
Erkrankung des "circulären Irreseins" auch
"manisch-depressives Irresein", wobei er auch
schon Mischzustände erkannte, bei denen manische und
depressive Symptome gleichzeitig vorkommen. Auch für
Kraepelin waren Manien und Depressionen Ausdrucksformen
ein- und derselben Krankheit.
In der NS-Zeit machten
sich die Psychiater zu Helfershelfern des
Nazi-Rassenwahns, wenn sie ihn nicht selbst - wie oft -
hervorzubringen halfen und sich aktiv an den Untaten beteiigten. Enthusiastisch machten prominente deutsche
Psychiater bei der "Vernichtung unwerten
Lebens" mit. Zehntausende psychisch kranker
Menschen, darunter als "cirkulär Irre"
eingestufte bipolar Erkrankte wurden in den
Vergasungs-Anstalten der "Aktion T-4"
ermordet. Es hieß, man habe ihnen
"Euthanasie" angedeihen lassen, eine "schönen
Tod", der für sie "Erlösung" gewesen wäre
und man habe den "Volkskörper" von kranken,
schwächenden, unwerten Elementen und Erbgut gereinigt.
1949 traf Karl Kleist eine erbbiologische Unterscheidung
unipolarer und bipolarer Krankheitsformen und 1966
unhterschieden Jules Angst und Carlo Perris bipolare
Erkrankungen und unipolare Depressionen.
Ursachen
Die Ursachen-Forschung für
manisch-depressive Erkrankungen steht erst am Anfang.
Die Ursachen für die Entstehung der Krankheit sind noch
weitgehend unklar. Dennoch verdichten sich Hinweise für
folgende Faktoren: Bipolare Störungen kommen in
Familien gehäuft vor. Die Wahrscheinlichkeit dafür,
dass Verwandte ersten Grades von Menschen mit einer
Bipolar I-Störung ebenfalls daran erkranken, ist gegenüber
der normalen Bevölkerung siebenfach erhöht. Das
Risiko, an irgend einer Form von Gemütsleiden zu
erkranken, ist sogar um das 15- bis 20fache erhöht. Bei
eineiigen Zwillingen - sie sind genetisch völlig
identisch - ist bei 60 Prozent der Fälle der zweite
Zwilling ebenfalls von der bipolaren Störung betroffen,
falls der erste erkrankt ist. Allerdings wird daraus
auch deutlich, dass trotz 100prozentig gleichen Erbguts
keine 100prozentige Übereinstimmung bei der Krankheit
besteht. Dies weist darauf hin, dass genetische Faktoren
eine wichtige Rolle bei den Ursachen, bei der
Krankheits-Entstehung spielen, dass aber auf der anderen
Seite bei dieser Krankheit das Erbgut nicht die einzige
Rolle spielt.
Unterschiedliche Faktoren aus der Umwelt,
die in der Lebensgeschichte wirken, wie traumatische
Ereignisse (Trennungen, Mobbing und Bossing, Verlust des
Arbeitsplatzes, Vertreibung und Verfolgung), sind hier
von Bedeutung, ebenso verheerend wirkt sich auch
sonstiger Stress aus (hierbei sind Bipolare viel
verletzlicher als Nichtbetroffene, so kann sogar
Wohnungswechsel Phasen auslösen), vor allem auch
psychosozialer Stress, Konflikte in der Partnerschaft,
in Familie und Beruf (auch hier sind Betroffene viel
mehr gefährdet).
Eine große Rolle bei auslösenden
Faktoren spielt ein unregelmäßiger Tag-/Nacht-Rhythmus
z.B. durch Schichtarbeit oder Lebenswandel,
Schlafmangel, Überarbeitung, Alkohol - und sonstiger
Drogenmissbrauch. Schlussendlich können jegliche Veränderungen phasenauslösend wirken. Bis zu 75 Prozent der
Betroffenen berichten im reflektierenden Rückblick,
dass sie unmittelbar vor der ersten spürbaren
Krankheits-Episode intensiven Stress hatten, Stress
allerdings, der bei nicht vulnerablen (= solcherart
verletzlichen, von Vulnerabilität betroffenen) Menschen
keine manische oder depressive Episode ausgelöst hätte,
da sie Stress besser körperlich verarbeiten. Spätere
Krankheits-Phasen können immer weniger mit stressenden
Ereignissen erklärt werden, bzw. minimaler Stress kann
sie bereits auslösen.
Die bipolare Erkrankung
ist also keine klassische, reine Erbkrankheit, die etwa
gemäß der Mendelschen Regeln dominant oder rezessiv
vererbt würde. Dennoch tragen nach heutigem
Wissensstand verschiedene Gene zum Erkrankungs-Risiko
bei. So wurden bei Manisch-Depressiven Veränderungen
vor allem auf den Chromosomen 18, 4 und 21 festgestellt,
so z.B. an einem Gen, das sich auf Wirkungen von Stress
auf das Nervensystem auswirkt.
Auch genetische
Codierungen für das episodenhafte Denken können
betroffen sein. Weiter ist ein Gen wirksam, das für
Stoffe zur Ausbildung von Nervenscheiden und auch bei
Veränderungen in der Pubertät verantwortlich ist. Das
Gen für Monoaminoxydase, für Serotonin-Transport, für
den Aufbau des Noradrenalin-Stoffwechsels ist ebenfalls
betroffen. Jedes einzelne Gen bzw. jeder einzelne
genetische Defekt hat hierbei nur einen relativ geringen
Effekt. Solche Anlagenträger sind recht verbreitet.
Kommen allerdings - zufälligerweise - viele solcherart
wirkende Gene bei einer Person zusammen, so hat sie eine
große Disposition, bei auslösenden Faktoren im Laufe
des Lebens an der bipolaren Störung zu erkranken. Die
Entstehung der bipolaren Störung ist also höchstwahrscheinlich
multifaktoriell bedingt. Sowohl biologisch-genetische
Faktoren als auch psychosoziale Auslöser dürften eine
Rolle spielen, d.h. das Erbgut gibt vor und die Umgebung
hat weiteren Einfluss.
Verlaufsformen
Episoden beider Art
treten häufig, aber nicht ausschließlich nach einem
belastenden Lebensereignis auf. Die Betroffenen sind wie
oben ausgeführt sehr empfindlich gegenüber Stress,
genetische Veranlagung spielt ebenso eine Rolle. Nach
einigen Phasen der Krankheit können sich innere
Rhythmen ausbilden, die auch unabhängig von äußeren
Ereignissen wirken. Während mitunter - vor allem wenn
schnell erkannt und richtig behandelt - nach der ersten
oder den ersten Episoden keine weiteren mehr auftreten,
tritt die Bipolare Störung bei vielen als eine
lebenslange, chronische Erkrankung in Erscheinung. Oft
erkennen die Betroffenen ihre Krankheit lange nicht,
denn man geht meist davon aus, dass es anderen innerlich
genauso geht.
Nichtbetroffene kennen auch glückliche
oder gereizte Zustände auf der einen, und depressive
Stimmungen auf der anderen Seite. Auch ihre Stimmung und
ihr Antrieb pendelt und ist nicht immer gleich. Bei der
Bipolaren Störung werden allerdings die normalen
Ausschläge überschritten, die Gegenpole sind viel
extremer. Das können Nichtbetroffene meist nicht
nachvollziehen. Eine Depression wird als viel schlimmer
empfunden als das "Depressiv-Drauf"-Sein, das
auch viele gesunde Menschen manchmal durchmachen. Eine
Manie ist viel stärker als normale Glücksgefühle,
oder als normale Gereiztheit und als normaler Antrieb
und Euphorie. Die Phasen der Manie äußern sich häufig
in starker Aktivität in Beruf und freiwilligem
Engagement.
Gerade diese Aktivität wird dem Betroffenen
aber an dieser Stelle möglicherweise zum Verhängnis,
da sie von Außenstehenden als übertrieben,
aufdringlich oder gar anmaßend empfunden werden kann.
Oft führt eine Manie zu Selbstüberschätzung und Übertreibung,
schließlich dazu, dass jedem Reiz nachgegangen werden
muss und die stark ausgeprägte Ablenkbarkeit und
Aktivitätsschübe nichts mehr vollenden lassen und ein
wirres Chaos verschiedener, oft paralleler Aktivitäten
entsteht. Der Betroffene kann sich angeblich vollbrachte
Leistungen durchaus auch nur einbilden.
Während einer
Manie konzentriert der Betroffene oft seine volle
Kapazität auf Teilaspekte seine Lebens, wobei andere
Aspekte vernachlässigt werden oder völlig ignoriert
werden. So kann es vorkommen, dass der Betroffene seine
gesamte Energie auf sein berufliches oder freiwilliges
Engagement oder für einen neuen Partner verwendet,
gleichzeitig aber seine sozialen Kontakte oder seinen
Haushalt völlig vernachlässigt. In der Tat kann die
vermehrte Leistungsbereitschaft zunächst auch zu
Erfolgen führen. So kann der Erkrankte während einer
Manie, mehr noch aber bei einer Hypomanie, bei
vorhandener Begabung sehr respektable Leistungen
vollbringen. Unter einer "Hypomanie" versteht
man eine nicht so stark ausgeprägte Manie, eine
Hypomanie liegt jedoch bereits deutlich über einem
normalen Aktivitäts- und/oder Stimmungs-Ausschlag
"nach oben".
Die Auswirkung der Krankheit auf
ein Engagement bezieht sich also insbesondere auf dessen
Umfang sowie die Interpretation des Geleisteten durch
den Erkrankten. Der Betroffene kann sich aber auch in
Dinge hineinsteigern, die absolut realitätsfremd sind
(Wahn). Dies ist vor allem der Fall, wenn er während
der Manie in einen Größenwahn verfällt (Megalomanie).
Dabei kann auch ein religiöser Größenwahn auftreten,
in dem Betroffene sich für auserwählte Propheten oder
für große Rächer im Namen Gottes halten können, neue
Schriftzeichen entwickeln, ihre eigene Himmelfahrt
vorhersagen, Berechnungen des Datums für den drohenden
Weltuntergang anfertigen, der Phantasie für weitere
Aktivitäten sind keine Grenzen gesetzt.
Auch wegen des
durch die Manie hervorgerufenen, oder sie auslösenden,
teils extremen, Schlafmangels können solche
Wahnvorstellungen, aber auch Halluzinationen
hervorgerufen werden.
Wenn dann berechnete Ereignisse nicht eintreffen, fallen
die Betroffenen oft in die Depression, oder sie ändern
ihre Strategie und entwickeln neue Taktiken, mit denen
sie mitunter effektiv ihre Angehörigen terrorisieren können.
Auch kann der Tod und das Böse verherrlicht werden, in
diesen Phasen besteht hohes Suizidrisiko.
Die Depression
verkehrt alle Aspekte der Manie ins Gegenteil und zwingt
den Betroffenen zu Apathie und Lustlosigkeit. Bei dieser
Erkrankungsphase höchsten Leidens erscheint sehr oft
der Tod als besserer Zustand, man ist hoch suizidgefährdet.
Auch beschämen dann oft Dinge, die man in der Manie
gemacht hat (oft wahllose Affären, unüberlegte schädigende
Geldausgaben, zu deutliche Worte z.B gegenüber dem
Arbeitgeber, Chaos, fehlende Rücksicht auf Beziehungen,
...).
Das erstmalige Auftreten
der Krankheit kann in jedem Alter geschehen. Häufigkeit
und Dauer der einzelnen Phasen sind sehr
unterschiedlich; generell lässt sich jedoch sagen, dass
manische Phasen in der Regel etwas kürzer dauern als
depressive Episoden, dass die Intervalle zwischen den
Phasen im Lauf der Zeit kürzer werden und dass mit
zunehmendem Lebensalter häufiger depressive Phasen
auftreten und diese länger andauern.
Bei bipolaren
Erkrankungen werden Erkrankungsformen unterschieden, die
mit "Bipolar I", "Bipolar II" oder
"Zyklothymie" klassifiziert werden.
"Bipolar I" nennt man eine Bipolare Krankheit,
bei der mindestens eine voll ausgeprägte Manie vorkommt
oder vorgekommen ist. "Bipolar II"
charakterisiert eine Erkrankungsform, die mit Hypomanien
und - oft schweren - Depressionen einhergeht. "Zyklothymie"
ist eine in den Ausschlägen schwächere Verlaufsform,
die allerdings immer noch deutlich über den normalen
Schwankungen liegt ("himmelhoch jauchzend - zu Tode
betrübt").
Bei so genannten rezidivierenden
Depressionen, das sind Depressionen, die - nach einem
Zwischenzustand des Normalen - immer wieder kommen,
steckt meist bei näherem Hinsehen eine "Bipolar
II"-Störung dahinter. Die Hypomanien kommen Ärzten
oft nicht zur Kenntnis, so dass die Bipolare Störung
dann nicht angemessen behandelt wird.
Je nach der Häufigkeit
der Stimmungsumschwünge unterscheidet man weiterhin
auch Rapid Cycling (mindestens vier Stimmungsumschwünge
im Jahr), Ultra Rapid Cycling (Stimmungsumschwünge
innerhalb von wenigen Tagen) und Ultra Ultra Rapid
Cycling (Umschwünge innerhalb von wenigen Stunden, das
Selbstmord-Risiko ist bei rapid cycling besonders hoch
und die Prognose besonders schlecht).
An Bipolarer Störung
Leidende haben aber generell ein um ein Vielfaches erhöhtes
Selbsttötungsrisiko. 15% begehen Selbsttötung.
Besonders riskant sind Depressionen, bei denen die Lähmung
des Antriebs noch nicht da ist oder bereits wieder etwas
verbessert ist, so dass man seinen tödlichen Vorsatz,
der durch die verzerrte Sicht der Realität verursacht
ist, umsetzen kann. Auch gemischte Phasen (Mischzustände),
bei denen manische und depressive Symptome zugleich
auftreten, bergen infolge der dysphorischen bzw.
verzweifelten Stimmung und des enorm hohen
Antriebsniveaus ein großes Selbsttötungs-Risiko.
Ein weiterer Grund kann sich sogar bei klarer Überlegung
zwischen den Phasen halten: Viele Experten halten die
Depression für die Krankheit, bei der man am Meisten
leidet. Bipolare mit ungünstiger Prognose und vielen
Phasen zuvor wissen darum, dass wieder und wieder
Depressionen kommen werden. Viele Menschen überleben
schon ihre erste Depression nicht.
Behandlung
Eine medikamentöse
Behandlung erfolgt in der Regel mit
Stimmungs-Stabilisierern wie Valproat oder mit
atypischen Neuroleptika bei akuten Manien und/oder
Antidepressiva; eine vorbeugende Behandlung erfolgt mit
Stimmungs-Stabilisierern wie Lithium oder Antiepileptika
wie Carbamazepin, Valproinsäure oder Lamotrigin.
Neuerdings ist auch das Neuroleptikum Olanzapin als
Phasenprophylaxe zugelassen. Die genauen Wirkungsweisen,
insbesondere die des Lithiums, in Form von
Lithiumcarbonat eingenommen, sind bisher noch ungeklärt.
Bei vielen Antidepressiva
kann es bei Betroffenen zu einem Umschlagen in die Manie
oder Hypomanie kommen ("Switch", "Switch-Risiko"),
deswegen sind nicht alle Antidepressiva bei Bipolaren
gleichermaßen geeignet.
Sinnvoll ist auch oft
eine auf die Krankheit abgestimmte kognitive
Verhaltenstherapie (Psychotherapie) oder Soziotherapie
oder Psychoedukation. Empfehlenswert sind außerdem
Selbsthilfegruppen. Aufgrund der mangelnden
Krankheitseinsicht der Betroffenen, insbesondere in
manischen Episoden, muss eine Behandlung in der akuten
Krankheitsphase oft gegen den Willen der Patienten
erfolgen. Das in einer Manie gesteigerte
Selbstbewusstsein kann auch dazu führen, dass der
Betroffene seine Medikamente selbstständig absetzt, was
das Risiko eines erneuten und stärkeren Ausbruchs der
Störung in sich birgt. Partnerschaft und Beruf sind
durch die langen und wiederkehrenden Episoden in Gefahr.
Die Bipolare Störung gehört zu den zehn Krankheiten,
die weltweit am meisten zu Behinderung führen. Die
Lebenserwartung ist - auch ohne die erhöhte Suizidrate
- verkürzt.
Negative Auswirkungen
der Krankheit
Diese Krankeit, die
mehrfach Erkrankte wie z.B. Krebspatienten, die
gleichzeitig Depressionen entwickelten, als die mit dem
höchsten Leiden einschätzten, hat sehr oft dramatische
Auswirkungen - oft tödliche (Suizid, Erhöhung der
Todeswahrscheinlichkeit durch
Herz-Kreislauf-Erkrankungen, ...), sozioökonomische
(lange Fehlzeiten durch Krankheit, Arbeitsunfähigkeit,
Arbeitslosigkeit, Frühberentung, Therapien, ...),
drastischer Verlust an Lebensqualität, Trennungen,
Scheidungen, Mobbing und Bossing am Arbeitsplatz,
Stigmatisierung, vielfaches unbeschreibliches Leid, auch
in der 'Hölle der Depression', die bei Bipolaren meist
immer wiederkehrt. Eine Schätzung des
"US-Departement of Health, Education and Welfare"
legte 1979 folgenden bedrückenden Befund vor, der als
statistisches Mittel gilt: "Eine Frau, die mit 25
Jahren an einer bipolaren Störung erkrankt (was dem
Durchschnittsalter entspricht), hat - eine um 9 Jahre
verkürzte Lebenserwartung und - verliert 12 Jahre
normalen gesunden Lebens, sowie - 14 Jahre normaler
beruflicher und familiärer Aktivität.
Positive Auswirkungen
von Bipolarität und affektiven Störungen für die
Menschheit
Viele Besucher von
Kunstmuseen, Konzerten und viele Leser sind sicherlich
überrascht, wenn sie erfahren, wie viele solcher
Kunstwerke, Musikstücke, lyrische Texte und Prosa von
affektiv Erkrankten, meist Bipolaren, geschaffen wurden,
die in der Hypomanie oder auch zwischen den Phasen bei
vorhandener Begabung durchaus zu Höchstleistungen fähig
sind, sich mitunter allerdings total auspowerten, als
Depressive hingegen sehr empfindsam sind und ein
breiteres Gemüts-Spektrum erfahren haben als normale
Menschen. Die Liste berühmter affektiv Gestörter,
meist Bipolarer, - auch Wissenschaftler, Entdecker und
Staatsmänner gehören dazu - ist lang. Allerdings
suizidierten sich - eine Folge dieser Krankheit - auch
viele dieser Personen wie Virginia Woolf, Sylvia Plath,
Robert Schumann und Vincent van Gogh
um jeweils Beispiele aus den Bereichen Prosa
und Lyrik, Musik und Kunst zu nennen. Als
Veranschaulichung sowohl des Beitrags bipolarer Menschen
für die Menschheit, als auch bipolarer Zustände, soll
in diesem Artikel das bekannte Gemälde
"Sternennacht" von Vincent van Gogh dienen.
Es
vermag Empfindungen während einer Hypomanie oder Manie
wie Grandiosiät, Beschwingtheit, überstarkes
Farbempfinden, Euphorie, Einheitsgefühle mit dem
Kosmos, Expansion usw. aufzuzeigen - unabhängig von
anderen Deutungen und Bezügen, die in dem Bild stecken.
Vincent van Goghs "Sternennacht" kann man auch
als Metapher für Bipolarität sehen, gibt es doch kaum
einen größeren Farbkontrast als "Gelb-Blau".
In seinen Tagebüchern und Briefen berichtete van Gogh
über seine Depressionen und einige Ärzte
diagnostizierten eine Manie. Seine Phasen brachten in
bis ins "Irrenhaus". Sein Bruder Cor beging
Suizid, sein ihn aushaltender Bruder Theo beschrieb in
seinen zahlreichen Briefen an Vincent van Gogh seinen
Kampf mit der Depression. Auch Paul Gauguin, mit dem van
Gogh teilweise zusammen lebte, war bipolar".
Künstler
müssen natürlich nicht unbedingt psychisch krank sein,
um große Werke zu schaffen. Allerdings haben
psychobiographische Untersuchungen kreativer Persönlichkeiten
gezeigt, dass eine grosse Zahl anerkannter Künstler,
Musiker und Schriftsteller an bipolaren Krankheiten
gelitten haben muss. Nach einer Untersuchung von Kay
Redfield Jamison von 1994 beträgt die Häufigkeit
bipolarer Erkrankungen bei kreativen Persönlichkeiten
das 10fache der Häufigkeit bei der Allgemeinbevölkerung.
Mehr als ein Drittel aller zwischen 1705 und 1805
geborenen englischen und irischen Dichter litten gemäß
Jamison an bipolaren Erkrankungen, mehr als die Hälfte
an Stimmungsstörungen".
Wolfgang Amadeus Mozart
war bipolar, Ernest Hemingway, Georg Friedrich Händel,
Ludwig van Beethoven, Edvard Munch , ... die
Liste eindeutig bipolarer Prominenter ist lang, und die
Dunkelziffer sicherlich hoch. Dies gilt auch für die
Gegenwart: Weltberühmte Musiker wie Sting oder Tom
Waits, national bekannte wie Falco, Filmregisseure wie
Francis Ford Coppola ("Apoclaypse Now") oder
Schauspieler wie Jean Claude van Damme sind bekanntermaßen
von bipolaren Störungen betroffen . Emil Kraepelin:
"Die willentliche Erregung, die die Krankheit
begleitet, kann ... Kräfte freisetzen, die sonst durch
alle Arten von Hemmungen bezwungen ist". Solche
Hemmungen finden sich kaum bei hypomanischen und gar
nicht bei manischen Zuständen:
Es verschwinden
Versagensängste, es verabschiedet sich Gebundenheit
durch andere Verpflichtungen und Gebremstwerden durch
mehr oder weniger sanfte Hinweise der Mitmenschen.
Gesellschaftliche und weltanschauliche Vorbehalte werden
bedenkenlos überwunden, moralische Tabus gebrochen,
Signale körperlicher Erschöpfung ignoriert. Darüber
hinaus öffnen solch extreme Stimmungshöhenflüge oft
den Zugang zu den "Pforten der Wahrnehmung".
Musik, Malerei und Dichtung sucht solche Erfahrungen zu
fassen und gibt den unbändigen Aktivitätsschüben
Raum. Doch bipolare Kreative und Genies leben gefährlich,
wenn auch "Musik", "Malerei" oder
das "Schreiben" ihr Leben ist. Sie können in
ihren hemmungslosen Aktivitätsschüben untergehen, sich
zu immer größeren Ausschlägen hochtakten, von den
folgenden schweren Depressionen mit ihrer Suizid-Gefahr
aus dem Leben gerissen werden. Virginia Woolf
kommentiert die Bipolarität zwischen der 'Raserei der
Manie' und dem 'Gefängnis der Depression': "Die
Schönheit der Welt hat zwei Schneiden, die das Herz
zerteilen. Eine ist Gelächter, die andere
Seelenqual". Doch schon Aristoteles gab zu
bedenken: "Es gibt kein großes Genie ohne einen
Schuss Verrücktheit"!
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